Interview mit Frank Fischöder zur Pre-Saison 2018/19

Geballte Vorfreude auf die neue Saison

 

Hallo Herr Fischöder,

Danke, dass sie uns vor Ihrem Urlaub und vor Beginn der neuen Saison zu einem kurzen Interview zur Verfügung stehen.

Zunächst ein kleiner Rückblick und herzlichen Glückwunsch zur 15. DNL-Meisterschaft. Ihre Mannschaft hatte lange Zeit die Liga dominiert und musste am Ende dann doch nochmal sehr kämpfen.

Ja wir hatten eine gute Mannschaft mit sehr viel Talent beisammen und haben auch viele gute Spiele geliefert. Aber auf der Zielgeraden hatten wir doch einiges an Verletzungspech (vor allen Dingen Moritz Seider und Tim Fleischer haben uns gefehlt) und unsere jungen Spieler mussten diese Lücke schließen, während unsere Gegner ihre Overage-Spieler hinzu nehmen konnten! Umso schöner, dass es am finalen Sonntagsspiel doch noch geklappt hat – das war eine Frage des Willens. Allerdings ist dies keine Garantie für künftige, ähnlich erfolgreiche Saisonverläufe.

 

Eine kurze Frage zu den Auswirkungen der neuen IIHF-Spielregeln (Torraum, Torhüter dürfen Pucks nicht mehr blockieren, wenn sie spielbar sind)?

Mal abwarten, wie die Schiedsrichter dies jetzt zu Saisonbeginn handhaben, aber prinzipiell dürfte sich da auch für uns nicht viel ändern.

 

Kommen wir zur neuen Ligen-Struktur im Juniorenbereich des DEB? Sie sind ja auch noch Trainer der U18-Nationalmannschaft?

Nicht mehr – ich bin als Trainer zurück zur U17-Nationalmannschaft. Dies kommt mir mehr entgegen, da ich nun so auch die Zeit finde, nebenher die Trainerakademie zu besuchen und mich fortzubilden.

 

Was die Ligen-Struktur betrifft: Zwar sind die Endjahrgänge durch die Einteilung in U20, U17, U15 usw. verschoben, aber dadurch hat sich unsere Ausbildungs-Philosophie nicht geändert: wir werden kaum mit Endjahrgängen unterwegs sein, versuchen eher noch einen 2002er einzubauen und werden dadurch immer jünger! Eigentlich sollte es als Ausbildungsbetrieb das Ziel sein, einen Spieler mindestens 3 – 4 Jahre zu betreuen aber das ist in der Realität nicht immer so und auch deshalb müssen wir immer „ jünger“ werden.

 

Die alten Rivalen aus Berlin, Köln, Düsseldorf etc., die Euch in der DNL U20 Division I gegenüberstehen, haben teilweise ganz schön „aufgerüstet“.

Ja wir haben dieses Jahr im Vergleich zu unseren Konkurrenten, die es vorgezogen haben, einige U19 weiter zu verpflichten, ein „brutal junges“ Team auf dem Eis. Dies entspricht unserer Philosophie und wir wollen dennoch möglichst viele Spiele gewinnen!
Im Endeffekt geht es darum, die Mannschaft weiter zu entwickeln. Es ist durchaus auch mal schön, in eine Saison zu starten, wo man nicht unbedingt als unbesiegbarer Favorit gilt. Es muss unser Ziel sein, im Ligabetrieb unter den ersten 6 zu enden, damit wir im nächsten Frühjahr wieder um die Meisterschaft spielen können.

 

Auch die neue U17 ist in 2 Staffeln eingeteilt und die Jungadler spielen in der mit 10 Mannschaften stärkeren Süd-Staffel.

 Ja aber auch dies ist okay; als Leistungszentrum sind wir interessiert, Spieler zu entwickeln und dazu ist es hilfreich, immer den „bestmöglichen“ Wettkampf für die Jungs bieten zu können. So wird für unsere Mannschaft die Herausforderung darin bestehen, dennoch Wege zu finden, um Spiele zu gewinnen.

 

Was die U20-Mannschaft selbst betrifft hattet ihr bereits im letzten Jahr einen größeren Umbruch zu verkraften; wie sieht es in diesem Jahr aus?

Zunächst muss man akzeptieren, dass gerade bei talentierten Mannschaften die Spieler natürlich versuchen, so früh wie möglich „nach oben“ zu kommen bzw. ihr Glück in Nordamerika zu versuchen. Schon daraus ergibt sich also eine gewisse Fluktuation.
Von unseren guten Spielern aus der letzten Saison wechseln:
Moritz Seider zu den Adlern; Yannik Valenti zu den Vancouver Giants in die WHL, Tim Fleischer zu den Hamilton Bulldogs, Pierre Preto nach Heilbronn und Mike Fischer nach Frankfurt. Bastian Eckl ging schon im letzten Jahr nach Drummondville in die kanadische Jugendliga und Filip Reisnecker hatte sich nach Regensburg verabschiedet.
Dies ist aber eine ganz normale Entwicklung für die wir ja letztendlich unseren Ausbildungsjob machen und wir freuen uns für jeden Spieler, der diesen nächsten Schritt machen kann.
Der restliche Stamm des letztjährigen Teams ist jedoch weitgehend komplett geblieben. Neu hinzugekommen sind Florian Elias, Arkadiusz Dziambor und Fabrizio Pilu von den ehemaligen Schülern, sowie Luca Tuchel und Simon Stowasser, die jedoch beide auch für die U17 noch spielberechtigt sind; als Stürmer neu dabei sind Zabransky und Julius Ramoser. Für ein Jahr kommt zu uns der Sohn von Peter Ascherl, Pierre-Christof aus Mississauga, sowie John-Magnus Broda aus der ostdeutschen Eishockey-Hochburg Weißwasser.

 

Mit diesem Kader geht es also in die Saisonvorbereitung.

Jawohl, zunächst steht eindeutig das Krafttraining im Vordergrund und dann die Ausdauer und Aufbau der Reserven. Erst dann gehen wir hier in der Arena auf das Eis, um die technischen und taktischen Dinge zu üben.

 

Ein wichtiger Aspekt der Vorbereitung ist dann wieder der DEL Junior Cup in der zweiten Augusthälfte, der von manchen bereits als „Spenglercup“ für Junioren betitelt wird?

Der DEL Junior Cup als einziges europäisches Junioren-Turnier auf internationalem Level wird in diesem Jahr „brutal interessant“ für uns. Die Gegner sind gegenüber den Vorjahren nochmals deutlich elitärer: Neben dem Titelverteidiger Lokomotive Jaroslawl sind mit dem finnischen Meister IFK Helsinki, dem schwedischen Spitzenteam Frölunda Göteborg europäische Extra-Klasse am Start. Auch neu dabei sind der schweizer Vertreter EV Zug sowie das tschechische Spitzenteam von Sparta Praha. Vervollständigt wird dieses Feld der europäischen Spitzenklubs von den gastgebenden Jungadlern! Also lauter gute Teams gegen die wir teilweise noch nie gespielt haben und es ist für uns sehr spannend, wie sich unser sehr junges Team gegen eine derart stattliche Konkurrenz schlagen wird. Es gibt nicht viele deutsche Mannschaften, die sich mit solch internationaler Klasse messen können. Für uns ist es also ein Privileg, selbst wenn es hier und da etwas enger werden sollte. Die Zuschauer müssen wissen, dass es wiederum sehr, sehr gutes, hochklassiges Juniorenhockey geben wird, bei dem sicher auch der eine oder andere künftige NHL-Star mitwirkt. Alles in allem eine Riesenchance für uns und ein toller Vergleich, der sicher auch größeren Zuschauer-Zuspruch in der Arena verdient hat.

 

Wie beurteilt ihr ganz allgemein die Chancen der Jungadler für ein gutes Abschneiden in dieser Saison?

Natürlich ist für uns als Leistungszentrum der maximale Erfolg das oberste Ziel und das letzte Spiel in der Saison zu gewinnen ist immer sehr schön! Unsere Perspektive ist derart, dass wir in unserer Spielweise sehr schnell „erwachsen“ werden müssen. Wir müssen mit Sicherheit sehr viel mehr leisten, mit höherer Laufleistung disziplinierter spielen, um Spiele gewinnen zu können; es gibt keine „Selbstläufer“-Spiele mehr! Wenn alle Spieler diese Herausforderung annehmen und dazu lernen, streben wir auch nach dem diesjährigen Umbruch eine stetige Weiterentwicklung des Teams über die Saison an, sodass wir am Ende wieder konkurrenzfähig sind. Dabei schauen wir weniger auf die Konkurrenz als auf unsere eigene Performance; wir sollten wieder in die Lage kommen, Spiele zu dominieren und als Gegner ernst genommen zu werden.

Talentförderung bedeutet grundsätzlich, dass ggf. auch die Konkurrenz im Saisonverlauf auf ihre Overage-Spieler verzichten muss, wenn diese richtig gut sind und während der Saison nach oben streben. Für uns als Trainer wird es wieder spannend sein, zu beobachten, wie sich innerhalb unserer Mannschaft neue Hierarchien bilden, die Blöcke zusammen wachsen und sich das Leistungsniveau stabil anhebt. Damit werden wir letztlich auch in der Lage sein, unsere Wünsche und Träume zu erfüllen.

 

Wie beurteilen Sie das gerade beendete „Adler Prospect Camp“ ?

Es waren sehr viele ehemalige Jungadler am Start, die wir nun nach 2 – 3 wieder gesehen haben und somit deren Weiterentwicklung beurteilen konnten. Schon dies war eine schöne Gelegenheit für uns, da wir ja die Jungs schon länger kennen! Etwas erschreckend für uns: so geballt fest zu stellen, wie wir selbst dabei gealtert sind!
Sehr wichtig und gut fand ich auch, wie das neue Management die Gelegenheit genutzt hat, um Spieler im Beobachtungsprogramm zu beschnuppern, zu kontaktieren und sich kennen lernen, sich näher zu kommen und in Kontakt zu bleiben.
Wir vom Coaching Staff waren auch oft zusammen mit den Trainern der Adler und vom Kooperationspartner Heilbronn und haben sofort einen sehr guten Draht zueinander gefunden.
Das war wirklich eine runde Sache und schreit nach Wiederholung. Letzen Endes ist es natürlich auch für uns entscheidend, dass es im Profi-Bereich gut läuft. Es ist sehr schön zu sehen, wie die Zusammenarbeit und die Kommunikation mit den Profi-Abteilungen jetzt angelaufen ist und wir hoffen natürlich, dass dies so bleibt. Der Start war jedenfalls sehr vielversprechend und wir wollen das „Eisen weiter schmieden“ bis wir zu einer einheitlichen Grundstruktur für unser Wirken gekommen sind.

 

Kann man inzwischen bereits von einer übergreifenden Spiel-Philosophie sprechen? In der Vergangenheit wurde ja eher selten von den Adlern auf die Jungadler geschaut.

Es lohnt sich nicht über die Vergangenheit zu reden; es ist eben ein großer Schritt von der U18 oder U19 zum Profitum! Wir haben jetzt ein total neues Management, einen umfangreichen Coaching Staff und tolle Möglichkeiten, die wir gemeinsam ausschöpfen wollen und darüber bin ich sehr glücklich. Wir haben nun kompletten Zugang zu allen Trainern & Co-Trainern in einer Weise, die es vorher nicht gab (z.B. steht uns nun auch Patrick Högberg für die Konditionsarbeit zur Verfügung). Dies alles ist sehr gut für uns als Organisation und lässt uns den Blick noch optimistischer nach vorn richten.

 

Was halten Sie vom Kontakt zum neuen Manager Jan-Axel Alaavara, der ja noch ein Newcomer in diesem Job ist?

 Also bei jemanden, der selbst professionell gespielt hat, die Strukturen in der schwedischen Liga in und auswendig kennt, die Scouting-Methodik in Buffalo eingehend studiert hat und inzwischen die besten Spieler der jeweiligen Altersstufen kennt, kann man beim besten Willen nicht von einem „Novizen“ reden. Im Gegenteil macht er einen klaren, sehr strukturierten aber offenen, positiven Eindruck; ich hatte bereits einige Male Kontakt mit ihm und den anderen neuen Funktionsträgern und bin optimistisch, dass wir alle unseren Beitrag zum Gelingen der Neustrukturierung erbringen können.

 

Was bleibt dann noch als Wunsch von Eurer Seite an das interessierte Publikum?

Kommt – wie in vorigen Jahr – recht zahlreich in die Halle, um unsere Jungs zu unterstützen. Auf jeden Fall legen diese sich immer ins Zeug und geben ihr Bestes, auch wenn es in Einzelfällen nicht zum Sieg reichen sollte. Die Jungs wissen die Unterstützung jedenfalls zu schätzen, denn es macht natürlich mehr Spaß vor voller Hütte zu spielen.

 

Vielen Dank Herr Fischöder für diese offenen Worte und einen guten Start in die Saison.

 

Das Interview führte Bernd Rothacker am 14. Juli 2018.

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