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Auf ein Neues !

Proportional zu den kletternden Außentemperaturen steigt auch bei den Jungadlern die Vorfreude auf die neue Saison. Mitten in der Vorbereitungsphase stand uns Chefcoach Frank Fischöder dankenswerterweise für ein ausführliches Interview am 20.06.2017 zur Verfügung. Durch das Interview führt unser MediaTeam-Redakteur Bernd Rothacker.

Chefcoach Frank Fischöder erhält die Meisterschaftsmedaille aus den Händen von DEB-Präsident Franz Reindl

Zunächst nochmals herzlichen Glückwunsch zur insgesamt 14. DNL-Meisterschaft !
So endete eine schwierige Saison mit manchen Aufs und Abs mit einem phänomenalen und überzeugenden Erfolg.

Frank Fischöder: Letzten Endes haben wir noch rechtzeitig unsere Form gefunden und die letzten 8 Spiele nicht mehr verloren. Der Schlüssel zum Erfolg war schließlich auch eine Frage des Willens; die Jungs haben gerade im Endturnier von der ersten Minute an alles abgerufen, was sie konnten und damit ihr Spiel gefunden und diesen souveränen Erfolg gesichert.
Natürlich hat uns auch geholfen, dass wenigstens Samuel Soramies und Chris Eckl rechtzeitig von den Langzeitverletzten zurückgekommen sind und ihre vertraute Leistung wieder gefunden haben. Aber dies macht eben eine gute Mannschaft aus, wenn jeder Spieler der hinein kommt „das Spiel spielen kann“.  

Gibt es zur neuen Saison einen Umbruch in der Mannschaft?

Frank Fischöder: Ja, da  kann man sogar von einem massiven Umbruch sprechen:
Einige Leistungsträger wir Samuel Soramies, Luca Gläser, Chris Eckl, Leon Kremer, Noah Nijhuis und Tim Bernhardt haben uns verlassen. Aber das ist ja normal und unsere Aufgabe als „Leistungszentrum“, Spieler an ein Niveau heran zu führen, mit dem sie höherklassig spielen oder gar in Amerika ihre Karriere fortsetzen können.  
Wir haben schließlich mit Mike Fischer, Marius Ewald und Pierre Preto nur noch 3 Spieler aus dem Endjahrgang im Aufgebot. Die 2000er Jahrgänge sind jedoch weitestgehend an Bord geblieben – mit Ausnahme von Wojtech Stachowiak. Dafür haben wir mit Louis Brune und Tim Fleischer zwei sehr gute Spieler (immerhin U18-Nationalspieler) dieses Jahrgangs von Iserlohn hinzu gewonnen. Ganz stark vertreten sind wir nun in der Jahrgangsstufe 2001, wo wir alleine aus dem Mannheimer Schüler-Kontingent 10 talentierte Nachwuchs-Cracks aufgenommen haben und diese noch mit zwei vielversprechenden Krefelder Nachwuchskräften (Jan Schumacher und Tim Stützle)  ergänzen.
Im Torwart-Bereich verlässt uns leider Enrico Salvarani altersbedingt, aber wir setzen weiter auf Tom Schickedanz; hinzu kommt von den Schülern Henrik Huwer zu uns und wir haben noch einen Torwart aus Bietigheim, nämlich Jonas Gähr, dazu geholt.  
Insgesamt werden also 15 neue Spieler integriert, das ist mehr als die halbe Mannschaft. Da kann man wohl schon von einem kompletten Umbruch sprechen.

Wird eine rasche Integration gelingen?

Frank Fischöder: Obwohl also eine gewisse Kontinuität im Umfeld gegeben ist, ist es auch für uns immer spannend zu beobachten, wie die jüngeren Altersstufen mit den höheren Anforderungen (mehr Systemtreue, mehr Disziplin, sich auch gegen 2 Jahre ältere Spieler durchsetzen etc.) zurechtkommen.
Welche Spieler sind bereit, „den Preis dafür“ zu zahlen? Zum Glück haben wir an dieser Stelle die Kooperation mit dem MERC, die allen Spielern genügend Eiszeit ermöglichen sollte.
Im Übrigen entwickelt sich jedes Jahr aufgrund der unterschiedlichen Typen innerhalb der Mannschaft jeweils immer eine andere „Gruppendynamik“, die wir vom Trainer-Team mit Interesse verfolgen. Da muss man ggf. viel Zeit in die mentale Betreuung der Mannschaft investieren und sich vermehrt psychologischen Aspekten widmen.

Gibt es bereits Auswirkungen der beschlossenen Anhebung der Altersgrenze auf U20?

Frank Fischöder: Erst ab nächstem Jahr wird die Altersgrenze innerhalb der Liga um ein Jahr angehoben. Welche Auswirkungen dies auf den Ligabetrieb bzw. auf die Handhabung der Förderlizenzen, bzw. den Kooperationsmöglichkeiten mit Zweit- oder Drittligisten hat, muss noch abgewartet werden.

Gibt es Änderungen im Trainerstab?

Frank Fischöder: Ja, mein bisheriger Assistent Ilka Pakarinen übernimmt vom ausscheidenden Christian Lorch die Schüler (U16) als Headcoach. Sein Assistent wird jetzt fest der ehemalige Jungadler Alexander Ackermann sein, der bereits in der vergangenen Saison verschiedentlich eingesprungen war. Dafür wechselt Andreas Schubert als Assistent von den Schülern zu mir in die DNL.

Sind die Jungadler für die neue Saison gut gerüstet?

Frank Fischöder: Wir haben ja in der vergangenen Saison am eigenen Leibe erlebt, wie selbst bei einem gut gefüllten Kontingent von 25-30 Spielern durch Verletzungen u.ä. schnell die kritische Grenze von 20 Spielern unterschritten werden kann. Wie normalerweise üblich starten wir auch in diesem Jahr mit einem Kader von 25 – 26 Spielern in die Saison und wir werden sehen, wie weit wir damit kommen.

Wie ist der Stand der Saisonvorbereitungen?

Frank Fischöder: Wir sind bereits in der 6. Woche der Vorbereitung. Begonnen hatten wir in der ersten Woche ganz professionell mit Tests und der Erfassung von Daten zur Leistungsdiagnostik.
Dies bildet für uns die Basis des Sommer-Trainings. Dann folgten die entsprechenden Übungen zum Aufbau von Kraft und Ausdauer und noch in dieser Woche gehen wir erstmals in der SAP-Arena auf das Eis. Am Wochenende vom 8./9. Juli sind Teambuilding-Maßnahmen geplant. So geht es weiter bis zum 21. Juli, wo wir dann noch 2 Wochen Ferien haben werden. Danach wird die Intensivphase auf dem Eis eingeläutet und die off-ice Übungen werden entsprechend zurück gefahren.
Anschließend  geht es auch schon los mit dem ersten Freundschaftsspiel am 16.August gegen die Kölner Haie. Bis dahin werden wir also mehr als  40 Trainingseinheiten hinter uns haben und sollten damit gut gerüstet sein. Wir sind also absolut im Zeitplan.

Wie ist der Ausblick auf den 2. DEL Junior-Cup?

Frank Fischöder: Am 22. August startet das wiederum hochklassig besetzte Turnier. Neben dem kanadischen Titelverteidiger St. Andrews war ursprünglich mit Milton noch eine zweite kanadische Mannschaft vorgesehen – dies scheint sich jedoch noch zu zerschlagen. Aber wir sind uns sicher, dass wir neben den anderen Teilnehmern von IFK Helsinki und Karlovy Vary, der DEB U18-Nationalmannschaft noch einen hochklassischen „Ersatz“-Teilnehmer finden werden.
Mit etwas Glück könnte dies das Team vom russischen Spitzenklub Loko-Yuniors Yaroslawl sein, die seit 2013 in der russischen Nachwuchsliga NMHL mitspielen und von keinem geringeren als dem ehemaligen Nationalspieler Igor Melyakov  trainiert werden. Bei einem Durchschnittsalter von 17,7 Jahren und 1,80 m Körpergröße bringen die Russen eine ordentliche Kampfkraft auf das Eis und werden es dem kanadischen Titelverteidiger sicherlich schwer machen, erneut zu triumphieren.  Darüber hinaus ergäbe sich damit ein schönes Andenken an den ehemaligen Adler-Spieler Robert Dietrich, der ja zusammen mit seiner Mannschaft auf so tragische Art und Weise ums Leben gekommen ist.

Somit sind wieder tolle Spiele bis zum 27. August vorprogrammiert und in der Nebenhalle entsteht auf den Rängen vielleicht ein Anflug von WM-Stimmung - wie in Köln oder Paris.
Für meine Jungs mit wird dies mit Sicherheit ein bleibendes Erlebnis werden.

Ein weiteres Highlight im Saisonverlauf ist auch der vorgesehene Aufenthalt einer amerikanischen Junioren-Mannschaft mit zwei Freundschaftsspielen im November. Man sieht, dem 14fachen deutschen DNL-Meister fehlt es nicht an internationalen Bewährungsproben.

Ligastruktur im deutschen Nachwuchsbereich?

Frank Fischöder: Wie eingangs erwähnt findet das Einfrieren der Altersgrenze erst mit Ablauf dieser Saison statt. Die bundesweiten Nachwuchsligen mit DNL und DNL2 bleiben uns damit erhalten. Wie also die Struktur für die regulären DNL-Spiele (Gruppeneinteilung oder Gesamtliga?) und die finale Gestaltung der Meisterschaft (Playoffs oder Endturnier) aussehen werden steht noch nicht fest. Freitag nächster Woche findet die entscheidende Sitzung der teilnehmenden Vereine statt. Da wir die Dinge nicht beeinflussen können, müssen wir also abwarten, wie man sich entscheidet und wir werden es so nehmen, wie es kommt!
Im Gegensatz zu den Vorjahren gibt es dieses Mal auch keine Regeländerungen im Spiel oder im Ablauf.

Wer sind die Hauptkonkurrenten?

Frank Fischöder: Auch da muss man noch abwarten, wie sich die einzelnen Kader vor dem Ligastart noch verändern. Im Grunde genommen reicht das in Deutschland vorhandene Spielermaterial dieses Jahrgangsbereichs aus, um lediglich 8 gleichwertig besetzte Mannschaften zu bilden. Dies bedeutet, dass man nur in diesem Bereich leistungsorientierten Wettkampf erwarten kann. Im letzten Jahr waren es 16 Mannschaften und folglich plätscherte der Ligabetrieb manchmal etwas dahin. Obwohl die Kölner Haie vielleicht den mit Abstand am besten besetzten Kader hatten und lange Zeit die Liga ungeschlagen dominierten, konnten sie am Ende – als es darauf ankam -diese Konstanz in der Leistung nicht mehr auf das Eis bringen.
Wir wissen nicht, wie es dort weiter geht; zwei ihrer Stützen, Appendino und Bokk, wollen nach Nordamerika. Mal sehen, was daraus wird. Dennoch werden die Kölner sicherlich wieder eine funktionierende Truppe aufs Eis bringen. Außerdem werden auch die Eisbären weiter eine bedeutende Rolle spielen und vielleicht die eine oder andere Mannschaft, die mit mehr Overage-Spielern bestückt ist, auch wenn dies m.E.  nicht viel mit gezielter Nachwuchs-Förderung zu tun hat. Iserlohn hat im letzten Jahr eine gute Rolle gespielt, aber inzwischen einen Großteil des hervorragenden 2000er Jahrgangs verloren. Auch Düsseldorf hatte eine gute, disziplinierte Saison gespielt und Bad Tölz muss man immer auf der Rechnung haben;  mit mannschaftlicher Geschlossenheit sind die immer ein kampfstarker Gegner, der nie aufgibt und ganz unangenehm zu bespielen ist.

Was sind die Erwartungen des jungadler-Trainerteams an die neue Saison?

Frank Fischöder: Nun das Leben ist leider kein „Wunschkonzert“; ich weiß jedoch, dass wir wieder eine gute Truppe mit viel Talent beisammen haben. Wir hoffen, dass wir in dieser Saison schneller Disziplin in unser Spiel bekommen, als in der letzten. Unser Wunsch wäre daher, dass die Mannschaft auf Dauer konsequent und zielorientiert arbeitet, damit wären wir bereits einen großen Schritt weiter. Natürlich wäre es von Vorteil, diesmal von längeren Verletzungen verschont zu bleiben. Aber wir freuen uns auf die Arbeit mit dem Team, dann kommt der Spaß von ganz alleine.
Jede Saison ist für uns eine lohnende  neue Herausforderung, wissend dass gerade bei „jüngeren“ Teams die Spieldisziplin nicht so der Hit ist und die Defensive häufig vernachlässigt wird. Die neu hinzugekommenen Spieler müssen sich einordnen und liebgewonnene Freiheiten aus ihren alten Clubs ggf. aufgeben.  Obwohl wir eine homogene Mannschaft besitzen, gibt es natürlich auch internen Konkurrenzdruck. Wie gehen die Spieler damit um? Das sind alles auch für uns spannende Fragen und wir werden wiederum sehen, was die Entwicklung alles mit sich bringt.

Welchen Beitrag kann das Umfeld liefern?

Frank Fischöder: Wir haben ja bereits letzte Saison festgestellt, wie gut gerade die Samstag-Spiele besucht waren. Da macht es natürlich auch den Jungs größeren Spaß. Auch wenn unsere Leistungen in den Heimspielen vielleicht nicht immer top waren, muss man doch der Mannschaft den absoluten Willen und Einsatz bescheinigen – unabhängig vom Spielausgang. Mit dieser ehrlichen Art von Sport erhoffen wir uns auch für diese Saison die Unterstützung der enthusiastischen Zuschauer. Letzten Endes arbeiten wir ja auch dafür, dass diese dann auch ein wenig Spaß an unserem Spiel haben sollen. Dabei hoffen wir natürlich auch auf die Unterstützung des Jungadler Media Teams, damit nicht nur das Publikum vor Ort sondern auch die Livestream-Zuschauer von Sportdeutschland TV  unsere Spiele mit Interesse und Spannung verfolgen können.

Herr Fischöder – ganz herzlichen Dank für diese ausführlichen Einblicke in die bevorstehende Saison der Jungadler und viel Glück für die anstehenden Aufgaben.
 

© Eishockey Leistungszentrum Jungadler Mannheim e.V.